Gerech­te Arbeits­be­din­gun­gen

Bundesarchiv Bild 183 80093 0001 VEB Kleiderwerke Diamant Plankontrolle - Gerechte Arbeitsbedingungen

Arti­kel 7 des UN-Sozi­al­pak­tes erkennt das Recht auf gerech­te und güns­ti­ge Arbeits­be­din­gun­gen an. Dane­ben wer­den bei­spiel­haft eini­ge Grund­sät­ze her­vor­ge­ho­ben, die “gewähr­leis­tet” wer­den sol­len. Die Ent­ste­hungs­ge­schich­te lässt erken­nen, dass mit “gewähr­leis­ten” regel­mä­ßig mehr als mit “aner­ken­nen” gemeint ist.

Lohn­grund­sät­ze

Unter Buch­sta­be a) wer­den in Arti­kel 7 des UN-Sozi­al­pak­tes eini­ge Grund­sät­ze für den Arbeits­lohn auf­ge­stellt. Er soll ein ange­mes­se­nes Ent­gelt für die geleis­te­te Arbeit sein und zugleich dem Arbeit­neh­mer und sei­ner Fami­lie einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt ermög­li­chen. Dane­ben wird der Grund­satz der Lohn­gleich­heit bei gleich­wer­ti­ger Arbeit ganz all­ge­mein und das Recht der Frau auf Gleich­be­hand­lung bei der Gestal­tung der Arbeits­be­din­gun­gen und der Fest­le­gung der Arbeits­ent­gel­te her­vor­ge­ho­ben.

Die Ange­mes­sen­heit des Arbeits­ent­gel­tes wird in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land vor allem durch ein Netz von Tarif­ver­trä­gen auf der Grund­la­ge des Tarif­ver­trags­ge­set­zes gewähr­leis­tet. Gesetz­li­che Son­der­re­ge­lun­gen bestehen für die Heim­ar­beit und die Leih­ar­beit. Unter gewis­sen Vor­aus­set­zun­gen kön­nen auch für ande­re Berei­che Min­dest­löh­ne fest­ge­setzt wer­den.

Die Lohn­gleich­heit wird in Deutsch­land all­ge­mein durch das Grund­recht des Arti­kel 3 GG, der auch die Tarif­part­ner und Part­ner von Betriebs­ver­ein­ba­run­gen bin­det, und ein­fach­ge­setz­lich u.a. durch das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) gewähr­leis­tet.

Von den für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land rechts­ver­bind­li­chen Über­ein­kom­men der Inter­na­tio­na­len Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on in die­sem Bereich sind ins­be­son­de­re zu erwäh­nen:

  • Über­ein­kom­men 100 der Inter­na­tio­na­len Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on über die Gleich­heit des Ent­gelts männ­li­cher und weib­li­cher Arbeits­kräf­te für gleich­wer­ti­ge Arbeit und
  • Über­ein­kom­men 111 der Inter­na­tio­na­len Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on über das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung in Beschäf­ti­gung und Beruf.

Arbeits­schutz

Unter Buch­sta­be b) wer­den in Arti­kel 7 des UN-Sozi­al­pak­tes siche­re und gesun­de Arbeits­be­din­gun­gen gefor­dert.

Dies ist in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land durch zahl­rei­che Rechts­vor­schrif­ten des Bun­des und der Län­der, ins­be­son­de­re auf der Grund­la­ge der Gewer­be­ord­nung, aber auch durch Son­der­ge­set­ze wie das Mut­ter­schutz­ge­setz und das Jugend­ar­beits­schutz­ge­setz sowie durch die von den Berufs­ge­nos­sen­schaf­ten erlas­se­nen Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrif­ten gewähr­leis­tet. Auch die Betriebs­rä­te wir­ken bei die­ser Auf­ga­be mit (vgl. §§ 80 Abs. 1 Nr. 1, 90 BetrVG).

Mög­lich­kei­ten des Auf­stieg und der Beför­de­rung

Unter Buch­sta­be c) for­dert Arti­kel 7 des UN-Sozi­al­pak­tes glei­che Auf­stiegs­mög­lich­kei­ten für jeder­mann unter aus­schlag­ge­ben­der Berück­sich­ti­gung der Beschäf­ti­gungs­dau­er und Befä­hi­gung.

Wie weit sich ein sol­cher Grund­satz in der Pra­xis durch­set­zen lässt, ist pro­ble­ma­tisch. Im öffent­li­chen Dienst kann dies durch Rechts- und Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten erreicht wer­den, wie in Deutsch­land etwa in Art. 33 Abs. 2 GG sowie in den Beam­ten­ge­set­zen des Bun­des und der Län­der .

Schwie­ri­ger ist die Lage in der Pri­vat­wirt­schaft. Eine gewis­se Ein­fluss­mög­lich­keit ergibt sich im Rah­men der Betriebs­ver­fas­sung (vgl. §§ 75, 92 ff BetrVG). Schließ­lich wäre noch an den arbeits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz und an den öffent­lich-recht­li­chen Gleich­heits­satz zu den­ken, soweit die­ser im Arbeits­ver­hält­nis anwend­bar ist.

Arbeits­zeit und Arbeits­pau­sen

Unter Buch­sta­be d) wird in Arti­kel 7 des UN-Sozi­al­pak­tes die Fra­ge der Arbeits­pau­sen, der Frei­zeit, der ange­mes­se­nen Begren­zung der Arbeits­zeit, des bezahl­ten Urlaubs und der Ver­gü­tung gesetz­li­cher Fei­er­ta­ge behan­delt.

Dies ist in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land für die meis­ten Berei­che gesetz­lich gere­gelt, so etwa

  • im Bun­des­ur­laubs­ge­setz,
  • im Neun­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch – Reha­bi­li­ta­ti­on und Teil­ha­be behin­der­ter Men­schen -,
  • im Jugend­ar­beits­schutz­ge­setz,
  • im Gesetz über Lohn­fort­zah­lung an Fei­er­ta­gen,
  • in der Arbeits­zeit­ord­nung und
  • im Mut­ter­schutz­ge­setz.

Zahl­rei­che Tarif­ver­trä­ge ent­hal­ten güns­ti­ge­re Urlaubs- und Arbeits­zeit­re­ge­lun­gen, als sie gesetz­lich vor­ge­schrie­ben sind.

Arti­kel 7
Die Ver­trags­staa­ten erken­nen das Recht eines jeden auf gerech­te und güns­ti­ge Arbeits­be­din­gun­gen an, durch die ins­be­son­de­re gewähr­leis­tet wird

  1. ein Arbeits­ent­gelt, das allen Arbeit­neh­mern min­des­tens sichert
    1. ange­mes­se­nen Lohn und glei­ches Ent­gelt für gleich­wer­ti­ge Arbeit ohne Unter­schied; ins­be­son­de­re wird gewähr­leis­tet, dass Frau­en kei­ne ungüns­ti­ge­ren Arbeits­be­din­gun­gen als Män­ner haben und dass sie für glei­che Arbeit glei­ches Ent­gelt erhal­ten,
    2. einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt für sie und ihre Fami­li­en in Über­ein­stim­mung mit die­sem Pakt;
  2. siche­re und gesun­de Arbeits­be­din­gun­gen;
  3. glei­che Mög­lich­kei­ten für jeder­mann, in sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit ent­spre­chend auf­zu­stei­gen, wobei kei­ne ande­ren Gesichts­punk­te als Beschäf­ti­gungs­dau­er und Befä­hi­gung aus­schlag­ge­bend sein dür­fen;
  4. Arbeits­pau­sen, Frei­zeit, eine ange­mes­se­ne Begren­zung der Arbeits­zeit, regel­mä­ßi­ger bezahl­ter Urlaub sowie Ver­gü­tung gesetz­li­cher Fei­er­ta­ge.

Bild­quel­len:

  • Bundesarchiv_Bild_183-80093–0001,_VEB_Kleiderwerke_’Diamant’,_Plankontrolle: Bundesarchiv/​Burmeister 183−80093−0001 | CC BY-SA 3.0 Unpor­ted

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