Inter­na­tio­na­ler Pakt über wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Rechte

Flagge der Vereinten Nationen

vom 16. Dezem­ber 1966

Prä­am­bel

DIE VERTRAGSSTAATEN DIESES PAKTES
IN DER ERWÄGUNG,
dass nach den in der Char­ta der Ver­ein­ten Natio­nen ver­kün­de­ten Grund­sät­zen die Aner­ken­nung der allen Mit­glie­dern der mensch­li­chen Gesell­schaft inne­woh­nen­den Wür­de und der Gleich­heit und Unver­äu­ßer­lich­keit ihrer Rech­te die Grund­la­ge von Frei­heit, Gerech­tig­keit und Frie­den in der Welt bildet,

IN DER ERKENNTNIS,
dass sich die­se Rech­te aus der dem Men­schen inne­woh­nen­den Wür­de herleiten,

IN DER ERKENNTNIS,
dass nach der All­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rech­te das Ide­al vom frei­en Men­schen, der frei von Furcht und Not lebt, nur ver­wirk­licht wer­den kann, wenn Ver­hält­nis­se geschaf­fen wer­den, in denen jeder sei­ne wirt­schaft­li­chen, sozia­len und kul­tu­rel­len Rech­te eben­so wie sei­ne bür­ger­li­chen und poli­ti­schen Rech­te genie­ßen kann

IN DER ERWÄGUNG,
dass die Char­ta der Ver­ein­ten Natio­nen die Staa­ten ver­pflich­tet, die all­ge­mei­ne und wirk­sa­me Ach­tung der Rech­te und Frei­hei­ten des Men­schen zu fördern,

IM HINBLICK DARAUF,
dass der ein­zel­ne gegen­über sei­nen Mit­men­schen und der Gemein­schaft, der er ange­hört, Pflich­ten hat und gehal­ten ist, für die För­de­rung und Ach­tung der in die­sem Pakt aner­kann­ten Rech­te einzutreten–

VEREINBAREN
fol­gen­de Artikel:

Teil I

Arti­kel 1

(1) Alle Völ­ker haben das Recht auf Selbst­be­stim­mung. Kraft die­ses Rechts ent­schei­den sie frei über ihren poli­ti­schen Sta­tus und gestal­ten in Frei­heit ihre wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Entwicklung.

(2) Alle Völ­ker kön­nen für ihre eige­nen Zwe­cke frei über ihre natür­li­chen Reich­tü­mer und Mit­tel ver­fü­gen, unbe­scha­det aller Ver­pflich­tun­gen, die aus der inter­na­tio­na­len wirt­schaft­li­chen Zusam­men­ar­beit auf der Grund­la­ge des gegen­sei­ti­gen Woh­les sowie aus dem Völ­ker­recht erwach­sen. In kei­nem Fall darf ein Volk sei­ner eige­nen Exis­tenz­mit­tel beraubt werden.

(3) Die Ver­trags­staa­ten, ein­schließ­lich der Staa­ten, die für die Ver­wal­tung von Gebie­ten ohne Selbst­re­gie­rung und von Treu­hand­ge­bie­ten ver­ant­wort­lich sind, haben ent­spre­chend der Char­ta der Ver­ein­ten Natio­nen die Ver­wirk­li­chung des Rechts auf Selbst­be­stim­mung zu för­dern und die­ses Recht zu achten.

Teil II

Arti­kel 2

(1) Jeder Ver­trags­staat ver­pflich­tet sich, ein­zeln und durch inter­na­tio­na­le Hil­fe und Zusam­men­ar­beit, ins­be­son­de­re wirt­schaft­li­cher und tech­ni­scher Art, unter Aus­schöp­fung aller sei­ner Mög­lich­kei­ten Maß­nah­men zu tref­fen, um nach und nach mit allen geeig­ne­ten Mit­teln, vor allem durch gesetz­ge­be­ri­sche Maß­nah­men, die vol­le Ver­wirk­li­chung der in die­sem Pakt aner­kann­ten Rech­te zu erreichen.

(2) Die Ver­trags­staa­ten ver­pflich­ten sich, zu gewähr­leis­ten, dass die in die­sem Pakt ver­kün­de­ten Rech­te ohne Dis­kri­mi­nie­rung hin­sicht­lich der Ras­se, der Haut­far­be, des Geschlechts, der Spra­che, der Reli­gi­on, der poli­ti­schen oder sons­ti­gen Anschau­ung, der natio­na­len oder sozia­len Her­kunft, des Ver­mö­gens, der Geburt oder des sons­ti­gen Sta­tus aus­ge­übt werden.

(3) Ent­wick­lungs­län­der kön­nen unter gebüh­ren­der Berück­sich­ti­gung der Men­schen­rech­te und der Erfor­der­nis­se ihrer Volks­wirt­schaft ent­schei­den, inwie­weit sie Per­so­nen, die nicht ihre Staats­an­ge­hö­rig­keit besit­zen, die in die­sem Pakt aner­kann­ten wirt­schaft­li­chen Rech­te gewähr­leis­ten wollen.

Arti­kel 3

Die Ver­trags­staa­ten ver­pflich­ten sich, die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau bei der Aus­übung der in die­sem Pakt fest­ge­leg­ten wirt­schaft­li­chen, sozia­len und kul­tu­rel­len Rech­te sicherzustellen.

Arti­kel 4

Die Ver­trags­staa­ten erken­nen an, dass ein Staat die Aus­übung der von ihm gemäß die­sem Pakt gewähr­leis­te­ten Rech­te nur sol­chen Ein­schrän­kun­gen unter­wer­fen darf, die gesetz­lich vor­ge­se­hen und mit der Natur die­ser Rech­te ver­ein­bar sind und deren aus­schließ­li­cher Zweck es ist, das all­ge­mei­ne Wohl in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft zu fördern.

Arti­kel 5

(1) Kei­ne Bestim­mung die­ses Pak­tes darf dahin aus­ge­legt wer­den, dass sie für einen Staat, eine Grup­pe oder eine Per­son das Recht begrün­det, eine Tätig­keit aus­zu­üben oder eine Hand­lung zu bege­hen, die auf die Abschaf­fung der in die­sem Pakt aner­kann­ten Rech­te und Frei­hei­ten oder auf wei­ter­ge­hen­de Beschrän­kun­gen die­ser Rech­te und Frei­hei­ten, als in dem Pakt vor­ge­se­hen, hinzielt.

(2) Die in einem Land durch Gesetz, Über­ein­kom­men, Ver­ord­nun­gen oder durch Gewohn­heits­recht aner­kann­ten oder bestehen­den grund­le­gen­den Men­schen­rech­te dür­fen nicht unter dem Vor­wand beschränkt oder außer Kraft gesetzt wer­den, dass die­ser Pakt der­ar­ti­ge Rech­te nicht oder nur in einem gerin­gen Aus­maß anerkenne.

Teil III

Arti­kel 6

(1) Die Ver­trags­staa­ten erken­nen das Recht auf Arbeit an, wel­ches das Recht jedes ein­zel­nen auf die Mög­lich­keit, sei­nen Lebens­un­ter­halt durch frei gewähl­te oder ange­nom­me­ne Arbeit zu ver­die­nen, umfasst, und unter­neh­men geeig­ne­te Schrit­te zum Schutz die­ses Rechts.

(2) Die von einem Ver­trags­staat zur vol­len Ver­wirk­li­chung die­ses Rechts zu unter­neh­men­den Schrit­te umfas­sen fach­li­che und beruf­li­che Bera­tung und Aus­bil­dungs­pro­gram­me sowie die Fest­le­gung von Grund­sät­zen und Ver­fah­ren zur Erzie­lung einer ste­ti­gen wirt­schaft­li­chen, sozia­len und kul­tu­rel­len Ent­wick­lung und einer pro­duk­ti­ven Voll­be­schäf­ti­gung unter Bedin­gun­gen, wel­che die poli­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Grund­frei­hei­ten des ein­zel­nen schützen.

Arti­kel 7

Die Ver­trags­staa­ten erken­nen das Recht eines jeden auf gerech­te und güns­ti­ge Arbeits­be­din­gun­gen an, durch die ins­be­son­de­re gewähr­leis­tet wird

  1. ein Arbeits­ent­gelt, das allen Arbeit­neh­mern min­des­tens sichert 
    1. ange­mes­se­nen Lohn und glei­ches Ent­gelt für gleich­wer­ti­ge Arbeit ohne Unter­schied; ins­be­son­de­re wird gewähr­leis­tet, dass Frau­en kei­ne ungüns­ti­ge­ren Arbeits­be­din­gun­gen als Män­ner haben und dass sie für glei­che Arbeit glei­ches Ent­gelt erhalten,
    2. einen ange­mes­se­nen Lebens­un­ter­halt für sie und ihre Fami­li­en in Über­ein­stim­mung mit die­sem Pakt;
  2. siche­re und gesun­de Arbeitsbedingungen;
  3. glei­che Mög­lich­kei­ten für jeder­mann, in sei­ner beruf­li­chen Tätig­keit ent­spre­chend auf­zu­stei­gen, wobei kei­ne ande­ren Gesichts­punk­te als Beschäf­ti­gungs­dau­er und Befä­hi­gung aus­schlag­ge­bend sein dürfen;
  4. Arbeits­pau­sen, Frei­zeit, eine ange­mes­se­ne Begren­zung der Arbeits­zeit, regel­mä­ßi­ger bezahl­ter Urlaub sowie Ver­gü­tung gesetz­li­cher Feiertage.

Arti­kel 8

(1) Die Ver­trags­staa­ten ver­pflich­ten sich, fol­gen­de Rech­te zu gewährleisten:

  1. das Recht eines jeden, zur För­de­rung und zum Schutz sei­ner wirt­schaft­li­chen und sozia­len Inter­es­sen Gewerk­schaf­ten zu bil­den oder einer Gewerk­schaft eige­ner Wahl allein nach Maß­ga­be ihrer Vor­schrif­ten bei­zu­tre­ten. Die Aus­übung die­ses Rechts darf nur sol­chen Ein­schrän­kun­gen unter­wor­fen wer­den, die gesetz­lich vor­ge­se­hen und in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft im Inter­es­se der natio­na­len Sicher­heit oder der öffent­li­chen Ord­nung oder zum Schutz der Rech­te und Frei­hei­ten ande­rer erfor­der­lich sind;
  2. das Recht der Gewerk­schaf­ten, natio­na­le Ver­ei­ni­gun­gen oder Ver­bän­de zu grün­den, sowie deren Recht, inter­na­tio­na­le Gewerk­schafts­or­ga­ni­sa­tio­nen zu bil­den oder sol­chen beizutreten;
  3. das Recht der Gewerk­schaf­ten, sich frei zu betä­ti­gen, wobei nur sol­che Ein­schrän­kun­gen zuläs­sig sind, die gesetz­lich vor­ge­se­hen und in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft im Inter­es­se der natio­na­len Sicher­heit oder der öffent­li­chen Ord­nung oder zum Schutz der Rech­te und Frei­hei­ten ande­rer erfor­der­lich sind;
  4. das Streik­recht, soweit es in Über­ein­stim­mung mit der inner­staat­li­chen Rechts­ord­nung aus­ge­übt wird.

(2) Die­ser Arti­kel schließt nicht aus, dass die Aus­übung die­ser Rech­te durch Ange­hö­ri­ge der Streit­kräf­te, der Poli­zei oder der öffent­li­chen Ver­wal­tung recht­li­chen Ein­schrän­kun­gen unter­wor­fen wird.

(3) Kei­ne Bestim­mung die­ses Arti­kels ermäch­tigt die Ver­trags­staa­ten des Über­ein­kom­mens der Inter­na­tio­na­len Arbeits­or­ga­ni­sa­ti­on von 1948 über die Ver­ei­ni­gungs­frei­heit und den Schutz des Ver­ei­ni­gungs­rechts, gesetz­ge­be­ri­sche Maß­nah­men zu tref­fen oder Geset­ze so anzu­wen­den, dass die Garan­tien des oben genann­ten Über­ein­kom­mens beein­träch­tigt werden.

Arti­kel 9

Die Ver­trags­staa­ten erken­nen das Recht eines jeden auf Sozia­le Sicher­heit an; die­se schließt die Sozi­al­ver­si­che­rung ein.

Arti­kel 10

Die Ver­trags­staa­ten erken­nen an,

  1. dass die Fami­lie als die natür­li­che Kern­zel­le der Gesell­schaft größt­mög­li­chen Schutz und Bei­stand genie­ßen soll, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf ihre Grün­dung und solan­ge sie für die Betreu­ung und Erzie­hung unter­halts­be­rech­tig­ter Kin­der ver­ant­wort­lich ist. Eine Ehe darf nur im frei­en Ein­ver­ständ­nis der künf­ti­gen Ehe­gat­ten geschlos­sen werden;
  2. dass Müt­ter wäh­rend einer ange­mes­se­nen Zeit vor und nach der Nie­der­kunft beson­de­ren Schutz genie­ßen sol­len. Wäh­rend die­ser Zeit sol­len berufs­tä­ti­ge Müt­ter bezahl­ten Urlaub oder Urlaub mit ange­mes­se­nen Leis­tun­gen aus der Sozia­len Sicher­heit erhalten;
  3. dass Son­der­maß­nah­men zum Schutz und Bei­stand für alle Kin­der und Jugend­li­chen ohne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der Abstam­mung oder aus sons­ti­gen Grün­den getrof­fen wer­den sol­len. Kin­der und Jugend­li­che sol­len vor wirt­schaft­li­cher und sozia­ler Aus­beu­tung geschützt wer­den. Ihre Beschäf­ti­gung mit Arbei­ten, die ihrer Moral oder Gesund­heit scha­den, ihr Leben gefähr­den oder vor­aus­sicht­lich ihre nor­ma­le Ent­wick­lung behin­dern, soll gesetz­lich straf­bar sein. Die Staa­ten sol­len fer­ner Alters­gren­zen fest­set­zen, unter­halb derer die ent­gelt­li­che Beschäf­ti­gung von Kin­dern gesetz­lich ver­bo­ten und straf­bar ist.

Arti­kel 11

(1) Die Ver­trags­staa­ten erken­nen das Recht eines jeden auf einen ange­mes­se­nen Lebens­stan­dard für sich und sei­ne Fami­lie an, ein­schließ­lich aus­rei­chen­der Ernäh­rung, Beklei­dung und Unter­brin­gung, sowie auf eine ste­ti­ge Ver­bes­se­rung der Lebens­be­din­gun­gen. Die Ver­trags­staa­ten unter­neh­men geeig­ne­te Schrit­te, um die Ver­wirk­li­chung die­ses Rechts zu gewähr­leis­ten, und erken­nen zu die­sem Zweck die ent­schei­den­de Bedeu­tung einer inter­na­tio­na­len, auf frei­er Zustim­mung beru­hen­den Zusam­men­ar­beit an.

(2) In Aner­ken­nung des grund­le­gen­den Rechts eines jeden, vor Hun­ger geschützt zu sein, wer­den die Ver­trags­staa­ten ein­zeln und im Wege inter­na­tio­na­ler Zusam­men­ar­beit die erfor­der­li­chen Maß­nah­men, ein­schließ­lich beson­de­rer Pro­gram­me, durchführen

  1. zur Ver­bes­se­rung der Metho­den der Erzeu­gung, Halt­bar­ma­chung und Ver­tei­lung von Nah­rungs­mit­teln durch vol­le Nut­zung der tech­ni­schen und wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se, durch Ver­brei­tung der ernäh­rungs­wis­sen­schaft­li­chen Grund­sät­ze sowie durch die Ent­wick­lung oder Reform land­wirt­schaft­li­cher Sys­te­me mit dem Ziel einer mög­lichst wirk­sa­men Erschlie­ßung und Nut­zung der natür­li­chen Hilfsquellen;
  2. zur Siche­rung einer dem Bedarf ent­spre­chen­den gerech­ten Ver­tei­lung der Nah­rungs­mit­tel­vor­rä­te der Welt unter Berück­sich­ti­gung der Pro­ble­me der Nah­rungs­mit­tel ein­füh­ren­den und aus­füh­ren­den Länder.

Arti­kel 12

(1) Die Ver­trags­staa­ten erken­nen das Recht eines jeden auf das für ihn erreich­ba­re Höchst­maß an kör­per­li­cher und geis­ti­ger Gesund­heit an.

(2) Die von den Ver­trags­staa­ten zu unter­neh­men­den Schrit­te zur vol­len Ver­wirk­li­chung die­ses Rechts umfas­sen die erfor­der­li­chen Maßnahmen

  1. zur Sen­kung der Zahl der Tot­ge­bur­ten und der Kin­der­sterb­lich­keit sowie zur gesun­den Ent­wick­lung des Kindes;
  2. zur Ver­bes­se­rung aller Aspek­te der Umwelt- und der Arbeitshygiene;
  3. zur Vor­beu­gung, Behand­lung und Bekämp­fung epi­de­mi­scher, ende­mi­scher, Berufs- und sons­ti­ger Krankheiten;
  4. zur Schaf­fung der Vor­aus­set­zun­gen, die für jeder­mann im Krank­heits­fall den Genuss medi­zi­ni­scher Ein­rich­tun­gen und ärzt­li­cher Betreu­ung sicherstellen.

Arti­kel 13

(1) Die Ver­trags­staa­ten erken­nen das Recht eines jeden auf Bil­dung an. Sie stim­men über­ein, dass die Bil­dung auf die vol­le Ent­fal­tung der mensch­li­chen Per­sön­lich­keit und des Bewusst­seins ihrer Wür­de gerich­tet sein und die Ach­tung vor den Men­schen­rech­ten und Grund­frei­hei­ten stär­ken muss. Sie stim­men fer­ner über­ein, dass die Bil­dung es jeder­mann ermög­li­chen muss, eine nütz­li­che Rol­le in einer frei­en Gesell­schaft zu spie­len, dass sie Ver­ständ­nis, Tole­ranz und Freund­schaft unter allen Völ­kern und allen ras­si­schen, eth­ni­schen und reli­giö­sen Grup­pen för­dern sowie die Tätig­keit der Ver­ein­ten Natio­nen zur Erhal­tung des Frie­dens unter­stüt­zen muss.

(2) Die Ver­trags­staa­ten erken­nen an, dass im Hin­blick auf die vol­le Ver­wirk­li­chung die­ses Rechts

  1. der Grund­schul­un­ter­richt für jeder­mann Pflicht und allen unent­gelt­lich zugäng­lich sein muss;
  2. die ver­schie­de­nen For­men des höhe­ren Schul­we­sens ein­schließ­lich des höhe­ren Fach- und Berufs­schul­we­sens auf jede geeig­ne­te Wei­se, ins­be­son­de­re durch all­mäh­li­che Ein­füh­rung der Unent­gelt­lich­keit, all­ge­mein ver­füg­bar und jeder­mann zugäng­lich gemacht wer­den müssen;
  3. der Hoch­schul­un­ter­richt auf jede geeig­ne­te Wei­se, ins­be­son­de­re durch all­mäh­li­che Ein­füh­rung der Unent­gelt­lich­keit, jeder­mann glei­cher­ma­ßen ent­spre­chend sei­nen Fähig­kei­ten zugäng­lich gemacht wer­den muss;
  4. eine grund­le­gen­de Bil­dung für Per­so­nen, die eine Grund­schu­le nicht besucht oder nicht been­det haben, so weit wie mög­lich zu för­dern oder zu ver­tie­fen ist;
  5. die Ent­wick­lung eines Schul­sys­tems auf allen Stu­fen aktiv vor­an­zu­trei­ben, ein ange­mes­se­nes Sti­pen­dien­sys­tem ein­zu­rich­ten und die wirt­schaft­li­che Lage der Leh­rer­schaft fort­lau­fend zu ver­bes­sern ist.

(3) Die Ver­trags­staa­ten ver­pflich­ten sich, die Frei­heit der Eltern und gege­be­nen­falls des Vor­munds oder Pfle­gers zu ach­ten, für ihre Kin­der ande­re als öffent­li­che Schu­len zu wäh­len, die den vom Staat gege­be­nen­falls fest­ge­setz­ten oder gebil­lig­ten bil­dungs­po­li­ti­schen Min­dest­nor­men ent­spre­chen, sowie die reli­giö­se und sitt­li­che Erzie­hung ihrer Kin­der in Über­ein­stim­mung mit ihren eige­nen Über­zeu­gun­gen sicherzustellen.

(4) Kei­ne Bestim­mung die­ses Arti­kels darf dahin aus­ge­legt wer­den, dass sie die Frei­heit natür­li­cher oder juris­ti­scher Per­so­nen beein­träch­tigt, Bil­dungs­ein­rich­tun­gen zu schaf­fen und zu lei­ten, sofern die in Absatz 1 nie­der­ge­leg­ten Grund­sät­ze beach­tet wer­den und die in sol­chen Ein­rich­tun­gen ver­mit­tel­te Bil­dung den vom Staat gege­be­nen­falls fest­ge­setz­ten Min­dest­nor­men entspricht.

Arti­kel 14

Jeder Ver­trags­staat, der zu dem Zeit­punkt, da er Ver­trags­par­tei wird, im Mut­ter­land oder in sons­ti­gen sei­ner Hoheits­ge­walt unter­ste­hen­den Gebie­ten noch nicht die Grund­schul­pflicht auf der Grund­la­ge der Unent­gelt­lich­keit ein­füh­ren konn­te, ver­pflich­tet sich, bin­nen zwei Jah­ren einen aus­führ­li­chen Akti­ons­plan aus­zu­ar­bei­ten und anzu­neh­men, der die schritt­wei­se Ver­wirk­li­chung des Grund­sat­zes der unent­gelt­li­chen all­ge­mei­nen Schul­pflicht inner­halb einer ange­mes­se­nen, in dem Plan fest­zu­le­gen­den Zahl von Jah­ren vorsieht.

Arti­kel 15

(1) Die Ver­trags­staa­ten erken­nen das Recht eines jeden an,

  1. am kul­tu­rel­len Leben teilzunehmen;
  2. an den Errun­gen­schaf­ten des wis­sen­schaft­li­chen Fort­schritts und sei­ner Anwen­dung teilzuhaben;
  3. den Schutz der geis­ti­gen und mate­ri­el­len Inter­es­sen zu genie­ßen, die ihm als Urhe­ber von Wer­ken der Wis­sen­schaft, Lite­ra­tur oder Kunst erwachsen.

(2) Die von den Ver­trags­staa­ten zu unter­neh­men­den Schrit­te zur vol­len Ver­wirk­li­chung die­ses Rechts umfas­sen die zur Erhal­tung, Ent­wick­lung und Ver­brei­tung von Wis­sen­schaft und Kul­tur erfor­der­li­chen Maßnahmen.

(3) Die Ver­trags­staa­ten ver­pflich­ten sich, die zu wis­sen­schaft­li­cher For­schung und schöp­fe­ri­scher Tätig­keit uner­läss­li­che Frei­heit zu achten.

(4) Die Ver­trags­staa­ten erken­nen die Vor­tei­le an, die sich aus der För­de­rung und Ent­wick­lung inter­na­tio­na­ler Kon­tak­te und Zusam­men­ar­beit auf wis­sen­schaft­li­chem und kul­tu­rel­lem Gebiet ergeben.

Teil IV

Arti­kel 16

(1) Die Ver­trags­staa­ten ver­pflich­ten sich, nach Maß­ga­be die­ses Tei­les Berich­te über die von ihnen getrof­fe­nen Maß­nah­men und über die Fort­schrit­te vor­zu­le­gen, die hin­sicht­lich der Beach­tung der in dem Pakt aner­kann­ten Rech­te erzielt wurden.

(2)

  1. Alle Berich­te wer­den dem Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen vor­ge­legt, der sie abschrift­lich dem Wirt­schafts- und Sozi­al­rat über­mit­telt, damit die­ser sie nach Maß­ga­be die­ses Pak­tes prüft.
  2. Sind Ver­trags­staa­ten gleich­zei­tig Mit­glie­der von Son­der­or­ga­ni­sa­tio­nen, so über­mit­telt der Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen ihre Berich­te oder ein­schlä­gi­ge Tei­le sol­cher Berich­te abschrift­lich auch den Son­der­or­ga­ni­sa­tio­nen, soweit die­se Berich­te oder Tei­le sich auf Ange­le­gen­hei­ten bezie­hen, die nach den Sat­zun­gen die­ser Orga­ni­sa­tio­nen in deren Auf­ga­ben­be­reich fallen.

Arti­kel 17

(1) Die Ver­trags­staa­ten legen ihre Berich­te abschnitts­wei­se nach Maß­ga­be eines Pro­gramms vor, das vom Wirt­schafts- und Sozi­al­rat bin­nen eines Jah­res nach Inkraft­tre­ten die­ses Pak­tes nach Kon­sul­ta­ti­on der Ver­trags­staa­ten und der betrof­fe­nen Son­der­or­ga­ni­sa­tio­nen auf­zu­stel­len ist.

(2) Die Berich­te kön­nen Hin­wei­se auf Umstän­de und Schwie­rig­kei­ten ent­hal­ten, die das Aus­maß der Erfül­lung der Ver­pflich­tun­gen aus die­sem Pakt beeinflussen.

(3) Hat ein Ver­trags­staat den Ver­ein­ten Natio­nen oder einer Son­der­or­ga­ni­sa­ti­on bereits sach­dien­li­che Anga­ben gemacht, so brau­chen die­se nicht wie­der­holt zu wer­den; viel­mehr genügt eine genaue Bezug­nah­me auf die­se Angaben.

Arti­kel 18

Im Rah­men des ihm durch die Char­ta der Ver­ein­ten Natio­nen auf dem Gebiet der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten zuge­wie­se­nen Auf­ga­ben­be­reichs kann der Wirt­schafts- und Sozi­al­rat mit den Son­der­or­ga­ni­sa­tio­nen Ver­ein­ba­run­gen bezüg­lich ihrer Bericht­erstat­tung über die Fort­schrit­te tref­fen, die bei der Beach­tung der in ihren Tätig­keits­be­reich fal­len­den Bestim­mun­gen die­ses Pak­tes erzielt wur­den. Die­se Berich­te kön­nen Ein­zel­hei­ten der von ihren zustän­di­gen Orga­nen ange­nom­me­nen Beschlüs­se und Emp­feh­lun­gen über Maß­nah­men zur Erfül­lung die­ser Bestim­mun­gen enthalten.

Arti­kel 19

Der Wirt­schafts- und Sozi­al­rat kann die von Staa­ten nach den Arti­keln 16 und 17 und die von Son­der­or­ga­ni­sa­tio­nen nach Arti­kel 18 vor­ge­leg­ten Berich­te über Men­schen­rech­te der Men­schen­rechts­kom­mis­si­on zur Prü­fung und all­ge­mei­nen Emp­feh­lung oder gege­be­nen­falls zur Kennt­nis­nah­me übermitteln.

Arti­kel 20

Die Ver­trags­staa­ten und die betrof­fe­nen Son­der­or­ga­ni­sa­tio­nen kön­nen dem Wirt­schafts- und Sozi­al­rat Bemer­kun­gen zu jeder all­ge­mei­nen Emp­feh­lung nach Arti­kel 19 oder zu jeder Bezug­nah­me auf eine sol­che Emp­feh­lung vor­le­gen, die in einem Bericht der Men­schen­rechts­kom­mis­si­on oder einem dar­in erwähn­ten Schrift­stück ent­hal­ten ist.

Arti­kel 21

Der Wirt­schafts- und Sozi­al­rat kann der Gene­ral­ver­samm­lung von Zeit zu Zeit Berich­te mit Emp­feh­lun­gen all­ge­mei­ner Art und einer Zusam­men­fas­sung der Anga­ben vor­le­gen, die er von den Ver­trags­staa­ten und den Son­der­or­ga­ni­sa­tio­nen über Maß­nah­men und Fort­schrit­te hin­sicht­lich der all­ge­mei­nen Beach­tung der in die­sem Pakt aner­kann­ten Rech­te erhal­ten hat.

Arti­kel 22

Der Wirt­schafts- und Sozi­al­rat kann ande­ren Orga­nen der Ver­ein­ten Natio­nen, ihren Unter­or­ga­nen und den­je­ni­gen Son­der­or­ga­ni­sa­tio­nen, die sich mit tech­ni­scher Hil­fe befas­sen, alles aus den in die­sem Teil erwähn­ten Berich­ten mit­tei­len, was die­sen Stel­len hel­fen kann, in ihrem jewei­li­gen Zustän­dig­keits­be­reich über die Zweck­mä­ßig­keit inter­na­tio­na­ler Maß­nah­men zur wirk­sa­men schritt­wei­sen Durch­füh­rung die­ses Pak­tes zu entscheiden.

Arti­kel 23

Die Ver­trags­staa­ten stim­men über­ein, dass inter­na­tio­na­le Maß­nah­men zur Ver­wirk­li­chung der in die­sem Pakt aner­kann­ten Rech­te u.a. fol­gen­des ein­schlie­ßen: den Abschluss von Über­ein­kom­men, die Annah­me von Emp­feh­lun­gen, die Gewäh­rung tech­ni­scher Hil­fe sowie die Abhal­tung von regio­na­len und Fach­ta­gun­gen zu Kon­sul­ta­ti­ons- und Stu­di­en­zwe­cken in Ver­bin­dung mit den betrof­fe­nen Regierungen.

Arti­kel 24

Kei­ne Bestim­mung die­ses Pak­tes ist so aus­zu­le­gen, dass sie die Bestim­mun­gen der Char­ta der Ver­ein­ten Natio­nen und der Sat­zun­gen der Son­der­or­ga­ni­sa­tio­nen beschränkt, in denen die jewei­li­gen Auf­ga­ben der ver­schie­de­nen Orga­ne der Ver­ein­ten Natio­nen und der Son­der­or­ga­ni­sa­tio­nen hin­sicht­lich der in die­sem Pakt behan­del­ten Fra­gen gere­gelt sind.

Arti­kel 25

Kei­ne Bestim­mung die­ses Pak­tes ist so aus­zu­le­gen, dass sie das allen Völ­kern inne­woh­nen­de Recht auf den Genuss und die vol­le und freie Nut­zung ihrer natür­li­chen Reich­tü­mer und Mit­tel beeinträchtigt.

Teil V

Arti­kel 26

(1) Die­ser Pakt liegt für alle Mit­glied­staa­ten der Ver­ein­ten Natio­nen, für alle Mit­glie­der einer ihrer Son­der­or­ga­ni­sa­tio­nen, für alle Ver­trags­staa­ten der Sat­zung des Inter­na­tio­na­len Gerichts­hofs und für jeden ande­ren Staat, den die Gene­ral­ver­samm­lung der Ver­ein­ten Natio­nen ein­lädt, Ver­trags­par­tei die­ses Pak­tes zu wer­den, zur Unter­zeich­nung auf.

(2) Die­ser Pakt bedarf der Rati­fi­ka­ti­on. Die Rati­fi­ka­ti­ons­ur­kun­den sind beim Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen zu hinterlegen.

(3) Die­ser Pakt liegt für jeden in Absatz 1 bezeich­ne­ten Staat zum Bei­tritt auf.

(4) Der Bei­tritt erfolgt durch Hin­ter­le­gung einer Bei­tritts­ur­kun­de beim Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Nationen.

(5) Der Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen unter­rich­tet alle Staa­ten, die die­sen Pakt unter­zeich­net haben oder ihm bei­getre­ten sind, von der Hin­ter­le­gung jeder Rati­fi­ka­ti­ons- oder Beitrittsurkunde.

Arti­kel 27

(1) Die­ser Pakt tritt drei Mona­te nach Hin­ter­le­gung der fünf­und­drei­ßigs­ten Rati­fi­ka­ti­ons- oder Bei­tritts­ur­kun­de beim Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen in Kraft.

(2) Für jeden Staat, der nach Hin­ter­le­gung der fünf­und­drei­ßigs­ten Rati­fi­ka­ti­ons- oder Bei­tritts­ur­kun­de die­sen Pakt rati­fi­ziert oder ihm bei­tritt, tritt er drei Mona­te nach Hin­ter­le­gung sei­ner eige­nen Rati­fi­ka­ti­ons- oder Bei­tritts­ur­kun­de in Kraft.

Arti­kel 28

Die Bestim­mun­gen die­ses Pak­tes gel­ten ohne Ein­schrän­kung oder Aus­nah­me für alle Tei­le eines Bundesstaates.

Arti­kel 29

(1) Jeder Ver­trags­staat kann eine Ände­rung des Pak­tes vor­schla­gen und ihren Wort­laut beim Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen ein­rei­chen. Der Gene­ral­se­kre­tär über­mit­telt sodann alle Ände­rungs­vor­schlä­ge den Ver­trags­staa­ten mit der Auf­for­de­rung, ihm mit­zu­tei­len, ob sie eine Kon­fe­renz der Ver­trags­staa­ten zur Bera­tung und Abstim­mung über die Vor­schlä­ge befür­wor­ten. Befür­wor­tet wenigs­tens ein Drit­tel der Ver­trags­staa­ten eine sol­che Kon­fe­renz, so beruft der Gene­ral­se­kre­tär die Kon­fe­renz unter der Schirm­herr­schaft der Ver­ein­ten Natio­nen ein. Jede Ände­rung, die von der Mehr­heit der auf der Kon­fe­renz anwe­sen­den und abstim­men­den Ver­trags­staa­ten ange­nom­men wird, ist der Gene­ral­ver­samm­lung der Ver­ein­ten Natio­nen zur Geneh­mi­gung vorzulegen.

(2) Die Ände­run­gen tre­ten in Kraft, wenn sie von der Gene­ral­ver­samm­lung der Ver­ein­ten Natio­nen geneh­migt und von einer Zwei­drit­tel­mehr­heit der Ver­trags­staa­ten nach Maß­ga­be der in ihrer Ver­fas­sung vor­ge­se­he­nen Ver­fah­ren ange­nom­men wor­den sind.

(3) Tre­ten die Ände­run­gen in Kraft, so sind sie für die Ver­trags­staa­ten, die sie ange­nom­men haben, ver­bind­lich, wäh­rend für die ande­ren Ver­trags­staa­ten wei­ter­hin die Bestim­mun­gen die­ses Pak­tes und alle frü­her von ihnen ange­nom­me­nen Ände­run­gen gelten.

Arti­kel 30

Unab­hän­gig von den Noti­fi­ka­tio­nen nach Arti­kel 26 Absatz 5 unter­rich­tet der Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen alle in Absatz 1 jenes Arti­kels bezeich­ne­ten Staaten

  1. von den Unter­zeich­nun­gen, Rati­fi­ka­tio­nen und Bei­trit­ten nach Arti­kel 26;
  2. vom Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens die­ses Pak­tes nach Arti­kel 27 und vom Zeit­punkt des Inkraft­tre­tens von Ände­run­gen nach Arti­kel 29.

Arti­kel 31

(1) Die­ser Pakt, des­sen chi­ne­si­scher, eng­li­scher, fran­zö­si­scher, rus­si­scher und spa­ni­scher Wort­laut glei­cher­ma­ßen ver­bind­lich ist, wird im Archiv der Ver­ein­ten Natio­nen hinterlegt.

(2) Der Gene­ral­se­kre­tär der Ver­ein­ten Natio­nen über­mit­telt allen in Arti­kel 26 bezeich­ne­ten Staa­ten beglau­big­te Abschrif­ten die­ses Paktes.

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