Inter­na­tio­na­ler Menschenrechtskodex

UN-Menschenrechtsrat

Genau­so wie in dem Inter­na­tio­na­len Pakt über bür­ger­li­che und poli­ti­sche Rech­te sind in dem Inter­na­tio­na­len Pakt über wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Rech­te die in der All­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rech­te fest­ge­hal­te­nen Grund­rech­te der Men­schen in eine rechts­ver­bind­li­che Form gebracht wor­den. Es ist kein Zufall, dass bei­de Pak­te am sel­ben Tag von der Gene­ral­ver­samm­lung der Ver­ein­ten Natio­nen ver­ab­schie­det wor­den sind: In ihnen sind die Inhal­te aus der Men­schen­rechts­char­ta wei­ter­ent­wi­ckelt wor­den; sie bil­den zusam­men mit der All­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rech­te den “Inter­na­tio­na­len Menschenrechtskodex”.

Am sel­ben Tag, an dem die Gene­ral­ver­samm­lung der Ver­ein­ten Natio­nen die All­ge­mei­ne Erklä­rung der Men­schen­rech­te ver­ab­schie­de­te, for­der­te sie die Men­schen­rechts­kom­mis­si­on auf, einen Pakt für Men­schen­rech­te zu ent­wer­fen und den dafür erfor­der­li­chen Maß­nah­men­ka­ta­log zur Umset­zung. Die Kom­mis­si­on hat bereits 1950 auf der Grund­la­ge der Stel­lung­nah­men von Regie­run­gen die ers­ten 18 Arti­kel über­ar­bei­tet. Im glei­chen Jahr erklär­te die Gene­ral­ver­samm­lung, dass “der Genuß der bür­ger­li­chen und poli­ti­schen Frei­hei­ten und der wirt­schaft­li­chen, sozia­len und kul­tu­rel­len Rech­te mit­ein­an­der ver­bun­den und von­ein­an­der abhän­gig sind.” (Reso­lu­ti­on 421 (V) E). Daher hat die Ver­samm­lung beschlos­sen, dass ein Pakt für Men­schen­rech­te wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Rech­te beinhal­ten muss und eine aus­drück­li­che Aner­ken­nung der Gleich­be­rech­ti­gung von Män­nern und Frau­en in ent­spre­chen­den Rech­ten, wie sie in der Men­schen­rechts­char­ta bereits mani­fes­tiert sind.
Im Jahr 1951 hat die Kom­mis­si­on 14 Arti­kel über die wirt­schaft­li­chen, sozia­len und kul­tu­rel­len Rech­te auf der Grund­la­ge der Vor­schlä­ge von Regie­run­gen und ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen aus­ge­ar­bei­tet. Sie hat auch 10 Arti­kel bezüg­lich der Maß­nah­men zur Umset­zung for­mu­liert, nach denen die Ver­trags­staa­ten regel­mä­ßig Berich­te über die­se Rech­te vor­le­gen wür­den. Nach einer lan­gen Debat­te bei ihrer sechs­ten Tagung 1951/​1952, for­der­te die Gene­ral­ver­samm­lung die Kom­mis­si­on auf, “zwei Pak­te zur Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on zu erar­bei­ten, der eine soll­te bür­ger­li­che und poli­ti­sche Rech­te ent­hal­ten und der ande­re wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Rech­te “(Reso­lu­ti­on 543 (VI) 1). Dabei beton­te die Ver­samm­lung, dass die zwei Pak­te so vie­le glei­che Bestim­mun­gen wie mög­lich ent­hal­ten soll­ten. Außer­dem wur­de beschlos­sen, dass ein Arti­kel beinhal­ten soll­te, dass “alle Völ­ker das Recht auf Selbst­be­stim­mung haben “(Reso­lu­ti­on 545 (VI) ). Die ent­gül­ti­gen Ent­wür­fe der Kom­mis­si­on hat die Gene­ral­ver­samm­lung auf ihrer neun­ten Tagung im Jahr 1954 vor­ge­legt bekom­men und beschlos­sen, die Ent­wür­fe zum gründ­li­chen Stu­di­um und öffent­li­chen Dis­kus­si­on den Regie­run­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len. Dar­über hin­aus wur­de der 3. Aus­schuss der Gene­ral­ver­samm­lung (der Aus­schuss für sozia­le, huma­ni­tä­re und kul­tu­rel­le Fra­gen) damit beauf­tragt, eine Dis­kus­si­on – Arti­kel für Arti­kel – zu begin­nen, mit der 1955 begon­nen wur­de . Es dau­er­te bis zum Jahr 1966, dass der Aus­schuss über jeden Arti­kel bera­ten hat­te und die Vor­be­rei­tun­gen zu den zwei Pak­ten abge­schlos­sen war. Der Inter­na­tio­na­le Pakt über wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Rech­te (Sozi­al­pakt) und den Inter­na­tio­na­len Pakt über bür­ger­li­che und poli­ti­sche Rech­te (Zivil­pakt) wur­den von der Gene­ral­ver­samm­lung der Ver­ein­ten Natio­nen mit ihrer Reso­lu­ti­on 2200 A (XXI) vom 16. Dezem­ber 1966 verabschiedet.

Arti­kel 1 des jewei­li­gen Pak­tes besagt, dass das Recht auf Selbst­be­stim­mung uni­ver­sal ist, und for­dert die Staa­ten auf, die­ses Recht zu ach­ten und die Ver­wirk­li­chung die­ses Rechts zu för­dern. Der Arti­kel sieht vor, dass “alle Völ­ker das Recht auf Selbst­be­stim­mung haben”, und fügt hin­zu, dass sie “Kraft die­ses Rechts frei über ihren poli­ti­schen Sta­tus” ent­schei­den und “in Frei­heit ihre wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Ent­wick­lung ” gestalten.

Wei­ter­hin wird in Arti­kel 3 in bei­den Abkom­men die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau bei der Aus­übung aller Men­schen­rech­te bekräf­tigt und die Ver­trags­staa­ten ver­pflich­tet, dies auch sicherzustellen.

Arti­kel 5 bie­tet in bei­den Fäl­len Schutz­maß­nah­men gegen die Abschaf­fung oder die unzu­läs­si­ge Beschrän­kung der Men­schen­rech­te oder Grund­frei­heit und gegen Fehl­in­ter­pre­ta­ti­on einer Bestim­mung der Pak­te als Mit­tel zur Recht­fer­ti­gung einer Rechts­ver­let­zung oder Frei­heit oder einer wei­ter­ge­hen­den Beschrän­kung die­ser Rech­te als in den Pak­ten vor­ge­se­hen. Es ver­hin­dert auch, dass Staa­ten, die bereits in ihrem Hoheits­ge­biet aner­kann­ten oder bestehen­den grund­le­gen­den Men­schen­rech­te mit der Begrün­dung ein­schrän­ken oder außer Kraft set­zen, dass die­se Rech­te nicht oder nur in gerin­gem Aus­maß im Pakt aner­kannt sind.

Arti­kel 6 bis 15 des UN-Sozi­al­pakts erken­nen die Rech­te an auf

  • Arbeit (Art. 6);
  • die Wahr­neh­mung der gerech­te und befrie­di­gen­de Arbeits­be­din­gun­gen (Art. 7);
  • zu grün­den und Gewerk­schaf­ten bei­zu­tre­ten Gewerk­schaf­ten (Art. 8);
  • der sozia­len Sicher­heit ein­schließ­lich der Sozi­al­ver­si­che­rung (Art. 9);
  • dem größt­mög­li­chen Schutz und Hil­fe für die Fami­lie, vor allem Müt­ter, Kin­der und Jugend­li­che (Art. 10);
  • auf einen ange­mes­se­nen Lebens­stan­dard (Art. I 1);
  • auf den Genuss des höchs­ten erreich­ba­ren Stan­dard kör­per­li­cher und geis­ti­ger Gesund­heit (Art. 12);
  • zu Bil­dung (Art. 13 und 14),
  • und die Teil­nah­me am kul­tu­rel­len Leben (Art. 15) zu nehmen.

Die All­ge­mei­ne Erklä­rung der Men­schen­rech­te bekräf­tigt, dass die Aus­übung der einer Per­son zuste­hen­den Rech­te und Frei­hei­ten bestimm­ten Ein­schrän­kun­gen unter­lie­gen, die durch Gesetz bestimmt wer­den. Die­se gesetz­li­chen Ein­schrän­kun­gen sind aus­schließ­lich zu dem Zweck vor­ge­se­hen, die Aner­ken­nung der Rech­te und Frei­hei­ten ande­rer zu sichern und den gerech­ten Anfor­de­run­gen der Moral, der öffent­li­chen Ord­nung und des all­ge­mei­nen Woh­les in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft zu genü­gen. Die Rech­te dür­fen nicht im Wider­spruch zu den Zie­len und Grund­sät­zen der Ver­ein­ten Natio­nen aus­ge­übt wer­den, oder auf die Zer­stö­rung eines der in der Men­schen­rechts­er­klä­rung dar­ge­leg­ten Rech­te gerich­tet sein (Art. 29 und 30).

Die im Sozi­al­pakt fest­ge­leg­ten Rech­te dür­fen nur durch im Gesetz vor­ge­se­he­nen Ein­schrän­kun­gen beschränkt wer­den, und das auch nur inso­weit, als sie mit der Natur die­ser Rech­te ver­ein­bar ist und allein dem Zweck dient, das all­ge­mei­ne Wohl in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft (Art. 4) zu fördern.

Im Gegen­satz zu der All­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rech­te und dem Sozi­al­pakt ent­hält der Zivil­pakt kei­ne all­ge­mei­ne Vor­schrift, die für sämt­li­che Rech­te der von den Ver­ein­ten Natio­nen ver­ab­schie­de­ten Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on zu Ein­schrän­kun­gen ermäch­tigt. Aller­dings wird in eini­gen Arti­keln im Pakt fest­ge­legt, dass die ange­spro­che­nen Rech­te kei­nen Ein­schrän­kun­gen unter­lie­gen aus­ge­nom­men sol­chen, die durch Gesetz vor­ge­schrie­ben sind und not­wen­dig sind, um die natio­na­le Sicher­heit, die öffent­li­che Ord­nung oder die Rech­te und Frei­hei­ten ande­rer zu schützen.

Bestimm­te Rech­te kön­nen daher nie aus­ge­setzt oder ein­ge­schränkt wer­den, auch nicht in Not­si­tua­tio­nen. Zu die­sen gehören:

  • das Recht auf Leben,
  • das Recht auf Frei­heit von Folter,
  • die Frei­heit von Skla­ve­rei oder Leibeigenschaft,
  • der Schutz vor Inhaf­tie­rung bei Nicht­zah­lung von Geldschulden
  • das Rück­wir­kungs­ver­bot von Strafgesetzen,
  • das Recht, über­all als rechts­fä­hig aner­kannt zu werden,
  • und die Frei­heit der Gedanken‑, Gewis­sens-und Religionsfreiheit.

Der Inter­na­tio­na­le Pakt über bür­ger­li­che und poli­ti­sche Rech­te erlaubt einem Staat bestimm­te Rech­te zu begren­zen oder außer Kraft zu set­zen in Fäl­len von offi­zi­ell ver­kün­de­ten öffent­li­chen Not­stän­den, die das Leben der Nati­on bedro­hen. Eine sol­che Beschrän­kung oder Aus­set­zung ist nur “in dem Umfang, den die Lage unbe­dingt erfor­dert” erlaubt und darf nie die Dis­kri­mi­nie­rung allein wegen der Ras­se, Haut­far­be, Geschlecht, Spra­che, Reli­gi­on oder sozia­ler Her­kunft (Art. 4) ent­hal­ten. Die Beschrän­kun­gen oder das Außer-Kraft-Set­zen bestimm­ter Rech­te muss auch bei den Ver­ein­ten Natio­nen gemel­det werden.

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